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10.10.2013

Leserbrief an den FOCUS zum Artikel "Heilung oder Humbug?"


Der FOCUS hatte in seiner Ausgabe 38/13 einen Artikel veröffentlicht, in dem verschiedene alternative Heilverfahren mit Hilfe einzelner negativer Krankenberichte, fehlerhafter wissenschaftlicher Begründungen und unzulässiger Zusammenhänge größtenteils als Humbug dargestellt wurden. Wir haben dem FOCUS zur Richtigstellung einen Leserbrief geschickt, den wir hier in voller Länge abdrucken möchten:

Sehr geehrte Damen und Herren,

in Ihrem Artikel "Heilung oder Humbug" finden sich viele die Homöopathie betreffende Aussagen, die so nicht zutreffen oder komplett falsch sind. Ich möchte hier die wichtigsten herausgreifen:

  1. Die Aussage, es hätte nie nachgewiesen werden können, dass Homöopathie wirkt, ist nachweislich falsch. Es gibt Kohortenstudien, die den kurz- und langfristigen Erfolg einer homöopathischen Behandlung als Ganzes belegen (z.B. C. Witt et al. BMC Public Health 2005, 5:115) und zeigen, dass unter homöopathischer Behandlung die Beschwerden sehr deutlich abnehmen (60-70%) und die Einnahme konventioneller Medikamente deutlich reduziert werden kannwas für die Krankenkassen ein erhebliches Einsparpotenzial bietet und den Patienten einige Nebenwirkungen erspart. Es gibt beeindruckende klinische Studien, die etwa zeigen, dass unter zusätzlicher homöopathischer Behandlung die Sterberate unter Intensivpatienten deutlich niedriger ist (Frass et al. Homeopathy (2005) 94) und intubierte Patienten deutlich schneller extubiert werden können (M. Frass et al. CHEST 2005; 127:936941). Des weiteren gibt es Grundlagenforschung an Pflanzen und Einzellern, die ebenfalls eine eindeutige Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel belegen (z.B. T. Jäger et al, TheScientificWorldJOURNAL (2010) 10). Diese Studien sind placebokontrolliert, randomisiert und doppelverblindet und genügen damit höchsten EBM-Standards.

  2. Die Kritik von Herrn Stadler an der Studie von Heiner Frei zeigt eigentlich nur, dass er entweder die Studie nicht zuende gelesen hat – sonst hätte er die doppelverblindete placebokontrollierte Crossover-Phase entdeckt, die selbst für konventionelle medizinische Studien einem extrem hohen Standard entspricht –, oder dass er von Homöopathie zu wenig versteht, sonst wüsste er, dass aufgrund des hohen Individualisierungsgrades dieser Therapieform eine solche Screening-Phase nötig ist.

  3. Die Shang-Egger-Studie konnte nicht, wie behauptet, zeigen, dass Homöopathika nicht stärker wirkten als ein Placebo. An der Studie gibt es massive und nachvollziehbare Kritik und die Diskussion darüber ist heute noch im Gange, sodass sie (noch) nicht als Beleg für irgendeine Hypothese herangezogen werden kann.

  4. Edzard Ernst behauptet mittlerweile nicht mehr, wie in Ihrem Artikel geschrieben, dass die Homöopathie wirkungslos ist, sondern im Gegenteil: dass sie tödlich ist. Und zwar auch in Hochpotenzen, in denen ja statistisch kein Wirkstoff mehr enthalten sein dürfte (E. Ernst et al, Int J Clin Pract, December 2012). Damit stimmt er grundsätzlich einer Wirksamkeit der Homöopathie zu.

  5. Sie behaupten, dass homöopathische Arzneimittel so stark verdünnt werden, bis die Ausgangssubstanz nicht mehr nachweisbar sei. Diese Behauptung würde gelten, wenn wir von einer gleichmäßigen Durchmischung beim Verdünnungsvorgang ausgehen könnten, was jedoch aufgrund der Verschüttelung nicht der Fall ist. Seit 2010 wissen wir durch Untersuchungen mit Transmissionselektronenmikroskopie und Elektronenbeugung, dass auch in homöopathischen Hochpotenzen noch messbare Konzentrationen der Ursubstanz über zufällige Verunreingungen hinaus feststellbar sind (P.S. Chikramane et al, Homeopathy (2010) 99).


Was Ihr Artikel allerdings völlig zurecht kritisiert ist die Tatsache, dass in der naturheilkundlichen Szene nicht alles Gold ist was glänzt. Seriöse Behandler sind für Patienten nicht ohne weiteres von unseriösen zu Unterscheiden. Qualitätssicherung ist daher ein großes Thema, und deshalb etablieren sich zunehmend Zertifizierungs-Institute wie z.B. die SHZ.


Generell halte ich es aber nicht für zulässig, in einem Artikel so viele unterschiedliche Therapieformen in einen Topf zu werfen. Die beschriebenen Behandlungsarten haben nichts gemeinsam, außer dass sie "alternativ" sind und von vielen Menschen in Anspruch genommen werden. Von einem Magazin, das mit dem Slogan "Fakten, Fakten, Fakten" wirbt, würde ich mir zudem wünschen, dass es Fakten selbst und gründlich recherchiert und sich nicht auf die fehlerhaften und tendenziösen Aussagen einiger weniger selbsternannter Experten verlässt, die, aus welchen Gründen auch immer, die wissenschaftliche Datenlage ignorieren und in unverantwortlicher Weise eine nützliche Heilkunde wie die Homöopathie diffamieren.

 

Mit freundlichen Grüßen

Markus Dankesreiter, Dipl. phys.